Vorderstoder
das märchenhafte Bergdorf

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Geschichte von Vorderstoder

Die Höhenlage des kleinen Bergdorfes Vorderstoder ermöglichte nur einen mäßigen landwirtschaftlichen Ertrag und damit eine dünne Besiedlung. Die Fläche der Gemeinde von 3711 Hektar besteht zu zwei Dritteln aus Wald- und Felsengebiet und reicht im Süden bis zum Warscheneck.

Die Einwohnerzahl, die 1869 noch knapp 1.000 betrug, ist durch die besonders nach dem 2. Weltkrieg rapide abnehmende Landarbeiterzahl bis 1980 auf 690 gesunken, heute aber Dank einer steten Bautätigkeit wieder auf 760 gestiegen. Die geschichtliche Entwicklung von Vorderstoder beginnt mit der Ansiedlung durch die Völkerwanderung entwurzelten Volkschaften. Vor allem slawische Stämme sind in der Gegend sesshaft geworden, altslawische Eigennamen wie Retschitz (Bächlein) oder Stoder (steiniger Boden) zeugen davon. Dauersiedlungen dürfte es aber im heutigen Vorderstoder nicht gegeben haben. Mit der Christianisierung ab dem 10. Jahrhundert kamen neue Siedler aus Bayern und Franken, sogen die noch vorhandenen Altslawen auf bevor ab etwa 1170 eine planmäßige Rodung und Besiedlung begann. In dieser Zeit kam das Stodertal in den Besitz des Hospitales am Pyhrn. Die Erschließung aus dieser Richtung erklären die heute manchem unlogisch erscheinenden Bezeichnungen Vorderstoder und Hinterstoder. Im Stiftsurbar des Jahres 1492 scheinen 65 Gehöfte in Stoder auf. Die heutige Pfarrkirche wurde 1507 als erste Kirche im Lande dem damals modernsten österreichischen Heiligen, dem Markgrafen Leopold, geweiht. Die beiden kleinen Glocken tragen die Jahreszahl 1401 und zählen zu den ältesten Kirchenglocken in Oberösterreich. Vor dem Bau stand dort vermutlich eine Kapelle mit einem vielbesuchten Gnadenbild. Die Wallfahrten zur "Gottesmutter am Stein" erreichten ihren Höhepunkt im 18. Jahrhundert und dauerten bis zum Beginn unseres Jahrhunderts an. Seit 1675 gibt es einen eigenen Seelsorger in der Kirche, bis dahin wurden Messen nur periodisch von Geistlichen aus Spital am Pyhrn gelesen. 1725 wurde der Friedhof angelegt, bis dahin mussten die Toten in Windischgarsten beerdigt werden. Bis 1787 gehörte auch Innerstoder, das heutige Hinterstoder zum Pfarrbereich St. Leopold.

Erst seit diesem Zeitpunkt spricht man von Vorderstoder. Die Religionswirrnisse im 16. Jahrhundert führten, ausgelöst durch vermehrte Robot- und Zehentlasten, zu Aufständen und Bestrafungen, die Vorderstoder nicht verschonten. Sie gipfelten mit der Tragödie bei der Filzmoserkapelle im Jahre 1597, wo der Legende nach auf der dort noch stehenden Linde drei aufständische Bauern als Rädelsführer gehenkt wurden. Zwar ist die Legende nicht restlos beweisbar, aber vollstreckte Todesurteile und strafweise abgebrannte Höfe der Rebellenführer in Vorderstoder sind historisch belegt. Die Obrigkeit behielt zwar die Oberhand, katholisch wurde damit die Bevölkerung aber nicht. Mehr als 200 Jahre blieb Stoder mehrheitlich evangelisch. Eine zweite, bis heute bekannte Legende geht auf den Stiftsdechanten von Spital am Pyhrn, Heinrich Otto Gassner, im 17. Jahrhundert zurück. Gassner, eine große Persönlichkeit, nahm sich besonders um Stoder an. Er bemühte sich, nicht nur um die stete Verbesserung der Ausstattung der Kirche, sondern leistete auch für die religiöse und soziale Erziehung der Bevölkerung Bemerkenswertes. Die Nachwelt dankte Gassner diese Seelsorge mit der Legende des Schlüsselwunders. Er hatte bei einem seiner vierzehntägigen Besuche in Stoder den Schlüssel für die Kirche daheim im Stift vergessen und stand nun vor der verschlossenen Tür. Auf sein inniges Gebet öffnete sich die Kirchentür vor den Leuten von selbst. Das Schlüsselwunder ist sogar auf einem Fenster im Neuen Dom in Linz dargestellt. Am zeitweisen wirtschaftlichen Aufschwung der Region durch die Errichtung der Sensenhämmer hatte Vorderstoder kaum Anteil, nur ein Hammer war bis 1659 in der Baderau in Betrieb. Bis zum Entstehen des Tourismus als eigenständigem Wirtschaftszweig, lebte die Bevölkerung ausschließlich von der Landwirtschaft und den dazu notwendigen Handwerken. Die Höhenlage, die Unberechenbarkeit des Wetters und seine Launen haben die bäuerliche Welt wiederholt ins Wanken gebracht. Bis in die Zwischenkriegszeit bauten die Bauern ihr Brotgetreide ja selbst an, nach verregneten Sommern oder überlangen Wintern kam es daher oft zu Problemen. Besonders die Schulchronik weist zahlreiche Hinweise auf extreme wirtschaftliche Notzeiten auf. Der Strukturwandel nach 1945 hat sich für Vorderstoder positiv ausgewirkt. Die Landwirtschaft ist durch die Abkehr vom Ackerbau hin zur reinen Grünlandbewirtschaftung nicht mehr so witterungsabhängig und mit dem Tourismus haben sich viele Bauern ein weiteres Einkommen geschaffen. Die klimatischen Nachteile der Höhenlage, die der Landwirtschaft jahrhundertelang zu schaffen machten, erweisen sich nun für den Tourismus eher als Vorteil. Die nebelfreie Lage garantiert im Winter viele Sonnenstunden und die ohne große Eingriffe erhaltene Landschaft erweist sich jetzt als großes Kapital. Inmitten der imposanten Bergwelt des Toten Gebirges, abseits von Industrie und Verkehr, weit weg von allen Ballungsräumen, entwickelte sich manches langsamer und vorsichtiger. Dass der Strukturwandel so behutsam erfolgte, das heißt, dass keine übergroßen Tourismusbetriebe entstanden sind, kann heute ebenfalls nur positiv gesehen werden.